Hochschulpolitik
Prof. Dr. Michael Piazolo befasst sich sowohl seit vielen Jahren beruflich als Professor als auch politisch u. a. in seiner Funktion als Hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion Freie Wähler im Bayerischen Landtag und Vertreter der Fraktion im Ausschuss Hochschule, Forschung und Kultur mit dem Themenkomplex Hochschulpolitik.
Zentral im Mittelpunkt der FW-Hochschulpolitik stehen derzeit:
- doppelter Abiturjahrgang 2011
- der mangelhaft umgesetzte Bologna-Prozess: 10 Jahre Bologna-Prozess - 10 Punkte-Programm für eine Reform;
- die Novellierung des Hochschulgesetzes;
- die Probleme für Absolventen wie auch Universitäten und Hochschulen mit dem doppelten Abiturjahrganges;
- und auch die Abschaffung der Studiengebühren.
"Doppelter Abiturjahrgang"
2011 werden die letzten Absolventen des neunjährigen Gymnasiums und der erste Jahrgang des achtjährigen Gymnasiums nahezu zeitgleich die Abiturprüfungen ablegen. Die Maß-nahmen zur Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs laufen an, erscheinen vielfach jedoch unzureichend.
Schon frühzeitig hat die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion mit parlamentarischen Initiativen auf die gewaltigen Herausforderungen, die der Doppelte Abiturjahrgang zweifelsohne für sämtliche Beteiligten darstellt, hingewiesen. So fordern die FREIEN WÄHLER bereits seit über einem Jahr die Einrichtung einer „Koordinierungsstelle doppelter Abiturjahrgang“. Diese soll in erster Linie die G8- und G9-Abiturienten über die sich ihnen bietenden Möglichkeiten informieren, die Hochschulen beraten und unterstützen sowie Überbrückungspraktika in Unternehmen und anderen Einrichtungen vermitteln.
Für weitere Informationen zu den bisher getroffenen Maßnahmen zu liefern führt die FW-Landtagsfraktion im Juni 2010 bayernweit mehrere Informationsveranstaltungen durch, u.a. findet im Bayerischen Landtag in München am 14. Juni 2010 eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Thema
„Abi 2011 – Ein sorgenfreier Blick in die Zukunft???“
statt. Einzelheiten zum Programm entnehmen Sie bitte dem Flyer zum Download:
>>>>> Download Informations-Flyer "Doppelter Abiturjahrgang", Teil 1 [PDF]
>>>>> Download Informations-Flyer "Doppelter Abiturjahrgang", Teil 2 [PDF]
Bologna-Prozess: Dringender Handlungsbedarf und 10-Punkte-Programm für eine grundlegende Reform
Gravierenden Handlungsbedarf sehen die Freien Wähler besonders auch beim Bologna-Prozess. „Der ehemalige CSU-Wissenschaftsminister MdL Dr. Thomas Goppel hat dieses CSU-Werk neulich im Hochschulausschuss selbst als ‚Riesenkäse‘ bezeichnet. Warum ergreift die Staatsregierung hier keine gesetzlichen Verbesserungsmaßnahmen? Warum bestehen die Missstände weiter?“, wundert sich Dr. Piazolo.
Auch die Internationalisierung der bayerischen Hochschulen liegt im Argen. Dazu Dr. Piazolo: „Doch anstatt passende Rahmenbedingungen für internationale Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen, senkt die aktuelle Hochschulnovelle die Quote für Auslandsstudierende an bayerischen Hochschulen. Auslandskooperationen bayerischer Hochschulen werden schon jetzt kaum staatlich finanziert und organisatorisch unterstützt. Stattdessen sollen die Hochschulen die Kooperationen durch astronomische Studienbeiträge für die ausländischen Studierenden finanzieren“.
10-Punkte-Programm für Reform des "Bologna-Prozesses"
- Grundsätzlich: Bachelor- und Masterstudiengänge für das Erststudium gebührenfrei anbieten
- Kurze Dauer des Bachelor-Studiums durch höhere Qualität des Studierens kompensieren:
- Unterricht in kleinen Gruppen mit hochkarätiger Betreuung;
- Lehrpersonal an den bayerischen Hochschulen nachhaltig aufstocken;
- pädagogische und fachliche Weiterbildung für Hochschuldozenten verpflichtend einführen;
- Qualitätssicherung in der Lehre optimieren;
Räumlichkeiten ausbauen; - die allgemeine Ausstattung modernisieren.
- Inhaltliche Überarbeitung der Studiengänge, um Freiraum für die Studierenden zu schaffen:
- Vor- und Nachbereitungszeit bei der Berechnung der Arbeitsbelastung im Studium einbeziehen;
- Präsenzzeiten reduzieren;
- starre Stundenpläne flexibler gestalten und eigenverantwortliche Auswahl von Inhalten ermöglichen;
- Anzahl der Prüfungen pro Semester reduzieren.
- Förderung von bürgerschaftlichem Engagement:
- Vergabe von ECTS-Punkten für gesellschaftliches Engagement von Studierenden;
- Integration gemeinwohl-orientierter Projekte in das Studium.
- Anreize bieten für studentische Mobilität, insbesondere für ein Studium im europäischen Ausland:
- Teilstipendien für Auslandsaufenthalte flächendeckend anbieten;
- verstärkt Kooperationen mit Hochschulen im europäischen Ausland eingehen;
- strukturelle und inhaltliche Integration eines Auslandsaufenthalts in den Lehrplan;
- großzügige Anerkennungspraxis von im Ausland erworbenen Studienleistungen einführen;
- Vermeidung zu sehr spezialisierter Bachelor-Studiengänge für eine bessere Vergleichbarkeit von Abschlüssen.
- Umstellungsgewinner schaffen:
- Ausreichende Studienangebote für verbliebene Diplom- und Magisterstudierende;
- großzügige Anerkennung von Leistungen für ein Bachelorstudium nach Einstellung des regulären Diplom- und Magisterstudienbetriebs.
- Profilbildung im Hochschulwettbewerb:
- Fachhochschulen setzen auf praxisbezogene Lehre und daneben auf anwendungsorientierte Forschung;
- Universitäten vermitteln überwiegend theoretisches Wissen und legen den Schwerpunkt auf Forschung.
- Arbeitsmarktchancen erhöhen:
- Konzentration auf fachbezogene Praxisprojekte;
- Integration dieser Projekte ins Studium und Betreuung durch Dozenten;
- Imagekampagne für Bachelor-Absolventen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.
- Sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Politik und Hochschulen bei der Umsetzung des Reform-Prozesses:
- Hochschulen nutzen ihre Freiheit bei der Gestaltung der Studiengänge zur Profilierung, entwickeln Nischenangebote und lernen von den besten Lösungen im Wettbewerb.
- Die Politik unterstützt die Hochschulen in der Umsetzung der Reformen durch Beratung, kompetentes Management und vor allem mehr finanzielle Mittel für Personal, Sachaufwand und Räumlichkeiten.
- Schnelle Klärung drängender und offener Fragen:
- Sind Zulassungsbeschränkungen zum Master rechtmäßig?
- Soll ‚Bachelor‘ oder ‚Master‘ zum Regelabschluss bisheriger Staatsexamensstudiengänge und Studiengänge mit nachfolgender Berufszulassung durch eine Kammer werden?
- Wie lassen sich die Staatsexamensprüfung integrieren?
- Sind konsekutive Masterstudiengänge sinnvoll oder wird damit der Bachelorabschluss zur ‚Zwischenprüfung'?
Novelle Hochschulgesetz
Dazu Prof. Dr. Michael Piazolo, hochschulpolitischer Sprecher der FW-Fraktion in der Sitzung des Hochschulausschusses am 06.05.: „Die bayerische Staatsregierung bastelt mit der aktuellen Hochschulnovelle an Nebensächlichkeiten herum. Die tatsächlichen Probleme in der Hochschulpolitik wie etwa der doppelte Abiturjahrgang 2011 oder die krassen Missstände in Folge der Bologna-Reform, nimmt sie ganz und gar nicht in Angriff!“ Und auch der FW-Abgeordnete Dr. Hans-Jürgen Fahn, ebenfalls Mitglied im Landtagsausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur, fordert: "Um die Benachteiligung bayerischer Abiturienten im Zuge der Umstellung vom neun- auf das achtjährige Gymnasium abzufedern, muss sich die Staatsregierung schon mehr einfallen lassen, als ein paar zusätzliche Studienplätze und freiwillige Überbrückungskurse. Auch die beiden Jahrgänge, die in 2011 Abitur machen, verdienen faire Studien- und Berufschancen."
Zur Lösung v.a. des anstehenden Doppeljahrgangsproblems schlagen die Freien Wähler eine „Koordinierungsstelle für den doppelten Abiturjahrgang“ vor: Sie soll zentrale Drehscheibe für den reibungslosen Übergang vom Gymnasium an die Uni und ins Berufsleben sein. Aufgaben könnten sein:
- Sie wirbt bei Unternehmen und Kultureinrichtungen im In- und Ausland um Praktikumsplätze, Lehrstellen und Trainee-Programme und informiert die Gymnasiasten über diese Angebote.
- Sie berät die Hochschulen bei der Konzeption und Umsetzung von Überbrückungskursen und hilft bei der Immatrikulation der Studierenden.
- Außerdem trägt sie beispielsweise die Umzugs- sowie die Fahrtkosten für Elternbesuche von Studierenden, die sich für einen Studienplatz in Ostdeutschland entscheiden.
"Zwar", so Dr. Piazolo, "hat sich Ministerpräsident Seehofer wieder einmal dazu bekannt, dass optimale Studienbedingungen zentrale Aufgabe staatlicher Bildungspolitik seien. Den FW-Vorschlag zur Koordinierungsstelle hat die CSU in der Antragsberatung im Hochschulausschuss jedoch abgelehnt."
Abschaffung der Studiengebühren
Ein Dauerbernner in der bildungspolitischen Debatte bleiben leider trotz zahlloser Proteste der Freien Wähler und anderen Oppositionsparteien, der Familien und vor allem der Studierenden auch die nach wie vor in Bayern erhobenen Studiengebühren.
Die Freien Wähler haben dazu vor der Wahl klar "Nein!" gesagt. Michael Piazolo wird auch weiterhin dagegen ankämpfen: „Dies ist eine grundsätzliche Forderung der Freien Wähler, um allen Studierwilligen in Bayern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zumindest ein Erststudium zu ermöglichen. Die sogenannten Zugeständnisse der CSU-FDP-Koalition sind bei weitem nicht genug. Hier sind endlich echte Investitionen in die Bildung gefordert, statt weiterhin abzukassieren ohne nennenswerte Gegenleistung zu bieten.“
Trübe Aussichten bei Akademikerausbildung in Deutschland
Nicht nur der jüngste OECD-Bericht, auch andere Studien wie etwa kürzlich von der Brüsseler Denkfabrik „The Lisbon Council“, weisen für Deutschland eine trübe Bilanz in Sachen Akademikerausbildung aus. „Die derzeitige Form von Studiengebühren trägt laut diesen Studien auch einen guten Teil dazu bei, dass sich die Situation bei hoch- und höchstqualifizierten Absolventen bei uns weiter rapide verschlechtert“, kritisiert Piazolo. Dies würden bereits sogar Personalexperten renommierter Unternehmen wie der Deutschen Bahn erkennen und ein Umdenken fordern.
Statt konsequent den Zugang zu einer qualifizierten Hochschulausbildung für breite Gesellschaftsschichten zu erleichtern, verweist der Münchner Professor darauf, dass immer mehr Hürden aufgebaut würden: „Von sich endlos ziehenden Debatten über die Möglichkeiten – oder besser Nicht- Möglichkeiten – zur Einführung von Semestertickets in Bayern über Zweitwohnsitzabgaben bis hin zu stetig rasant steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten wird die Kostenspirale durch Studiengebühren noch weiter angeheizt. Gleichzeitig fehlt aber ein tragfähiges Stipendienwesen und die Leistungen aus dem BAFÖG wurden kontinuierlich ebenfalls immer weiter zurückgefahren.“
„So kann und darf es nicht weiter gehen, will Deutschland und Bayern nicht noch weiter hinter europäische und internationale Standards zurückfallen. Wir brauchen mehr staatliche Investitionen und auch mehr gesellschaftliches, das heißt vor allem unternehmerisches, Engagement in der Bildung“, fordert Piazolo.